6.1 Die Werbung aus Sicht des MfS

„Alter: ca. 20 bis 25 Jahre; Geschlecht: männlich; Schulbildung/Beruf: 10-Klassen-Abschluss/Facharbeiter - abgeschlossene Berufsausbildung; konfessionelle Bindung: evangelisch-lutherische Kirche; operative Fähigkeiten und Fertigkeiten: Grundkenntnisse der Konspiration, in der bisherigen Zusammenarbeit ehrlich und zuverlässig, Kontaktmöglichkeiten zu kirchlich gebundenen Jugendlichen, Fähigkeiten zum Erkennen des Mißbrauchs der Kirche, insbesondere durch das subversive Vorgehen des Gegners im Rahmen der PID [Politisch-Ideologischen Diversion], der Kontaktpolitik und Kontakttätigkeit sowie unter Ausnutzung bestehender Rückverbindungen ehemaliger DDR-Bürger zu kirchlichen Kreisen.“ 1

So sah ein Kandidatenprofil des MfS aus, das auf ein ganz bestimmtes ‚operatives Ziel’ abgestimmt war. Es gab recht konkret vor, was ein entsprechender IM mitbringen sollte, um in dem operativen Vorgang eingesetzt werden zu können. In diesem Fallbeispiel wurde aus dem aktuellen „IM-Bestand“ ein Dreiundzwanzigjähriger herausgesucht – es musste nicht extra ein neuer angeworben werden. Das nämlich wäre ein durchaus schwierigerer, weil an bedeutend mehr Bedingungen geknüpfter Vorgang gewesen.

Eine der Grundvoraussetzungen dafür stellten umfassende psychologische Kenntnisse dar. Diese waren während des gesamten Prozesses, in dem der IM Kontakt mit dem MfS hatte, von außerordentlicher Bedeutung. Angefangen beim ‚Vorlauf’ (dem Einholen erster Informationen) über ‚Werbung’ (im Idealfall hieß das ‚Überzeugen’), ‚Überprüfung’ (permanent) bis hin schließlich zum ‚Abschreiben’ (Beenden des Kontaktes) musste insbesondere

„durch die Analyse seines [des IM’s] Verhaltens im Arbeits- und Freizeitbereich […], der politischen und moralischen Einstellung […], der Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit […], der inneren Bindung an das MfS und der Standhaftigkeit gegenüber feindlich negativen Einflüssen sowie des Entwicklungsstandes seiner politischoperativen Kenntnisse und Fähigkeiten“

ununterbrochen kontrolliert werden, dass der IM auch tatsächlich eine Eignung für seinen Einsatz aufwies – und dass sich dieser Status nicht änderte. Dazu kam, dass man selbst den Anspruch hatte, „im systematischen und planmäßigen Prozess der Befähigung und Erziehung des IM“ einen Grundstein „zur qualitativen Entwicklung und Erweiterung des IM-Bestandes“ zu legen.

Die Begrifflichkeit spricht dabei für sich. Ein ‚Bestand’ an Inoffiziellen Mitarbeitern musste ‚gesichert’ werden, dazu sollten die ‚IM-führenden Mitarbeiter’ „in differenzierter Weise mit Sanktionen arbeiten […und] die sich bietenden Möglichkeiten zur Überprüfung des IM sowie zu seiner allseitigen Nutzung erkennen und ausnutzen“. 2 Es zeigt sich die Unmenschlichkeit – im wahrsten Sinne des Wortes – im Umgang mit den eigenen, wenn auch inoffiziellen, Mitarbeitern.

Bereits bei der Anwerbung waren sehr spezifische psychologische Kenntnisse notwendig. So interessierte das MfS unter anderem „berufliche und soziale Stellung sowie Entwicklung, politische und moralische Einstellungen, [… sowie] charakterliche Eigenschaften und persönliche Interessen“. 3 Diese Informationen wurden in erster Linie von anderen IMs gesammelt und dann vom MfS erfasst. Galt der Kandidat als geeignet, lag der Staatssicherheit einiges daran, ihn zu verpflichten. „So hatte der MfS-Mitarbeiter nicht nur den Gesprächsfaden einfühlsam zu knüpfen, sondern sogar auf sein Äußeres zu achten, um Sympathie zu erwecken“. 4 In einer Dissertation wird neben diesem Punkt noch anderes genannt, was einen Mitarbeiter ausmachen sollte: „Selbstbewußtsein, Würde und Echtheit, Unvoreingenommenheit und Achtung, Bescheidenheit, Entschlossenheit und Konsequenz, Klarheit und Parteilichkeit der Standpunkte, Einfühlungsvermögen, angepasstes Bildungsniveau“. 5 Wobei der Punkt ‚Echtheit’ ganz besonders zynisch erscheint.

Doch das waren längst noch nicht alle gestellten Anforderungen an die hauptamtlichen Mitarbeiter, wenn es um das Finden von IMs ging. Sie sollen aufgrund ihrer großen Zahl hier nur stichpunktartig abgerissen werden: 6

- Erkennen von Täuschungsmanövern (Ablehnung von Regeln, Ablenkung, Mehrdeutigkeiten)
- Wahrnehmen und Ausnutzen von Bedürfnissen (Vorteile, Zwänge)
- Notfalls Erfinden von ‚Kompromaten’ (Vater war NS-Verbrecher, Kandidat muss wieder gut machen)
- Durchführen einer Persönlichkeitsanalyse (u.a. Zuverlässigkeit prüfen)
- Einrichten einer guten ‚Bestellungslegende’ (Zeitpunkt, Ort, guter Ersteindruck)
- Dem Kandidaten das Gefühl geben, hier richtig zu sein
- Nutzen typisch menschlicher Schwächen (Eitelkeit, Haß, Neid…)
- Einschätzen und Anpassen an das Sprachniveau
- Eingehen auf den Kandidaten

Von dieser Behutsamkeit und Vorsicht zeugte auch das strikte Ablehnen von unwilligen Kandidaten. Man wusste um deren Gefährlichkeit und konnte sehr gut einschätzen, dass solch labile Informationsgeber durch unbedarftes Handeln oder sogar absichtlich ihre Tätigkeit und damit das Ministerium für Staatssicherheit verraten konnten. Außerdem brachten sie keine brauchbaren Ergebnisse. Gemäß dem Standpunkt, dass positive Einstellungen Persönlichkeitseigenschaften sind, suchte man in erster Linie solche Leute. Man ging dabei davon aus, dass Persönlichkeitseigenschaften relativ stabile und verlässliche Anhaltspunkte für das menschliche Verhalten darstellen. Das entspricht durchaus heutigen Auffassungen der Sozialpsychologie.

So zeigt ein noch heute anerkanntes Experiment Kurt Lewins aus dem Jahr 1930 zum Thema Auswirkung von verschiedenen Führungsstilen auf die Gruppenatmosphäre unter anderem folgendes Ergebnis: „Der autokrat.[ische] Führungsstil zeitigte eine größere Distanz des Führers zur Gruppe. In der Folge verbreitete sich eine gereizte Atmosphäre, eine geringere Arbeitsmoral und die Tendenz, alle Mißhelligkeiten einem ‚Prügelknaben’ in die Schuhe zu schieben.“ 7

Wichtig ist hier der Aspekt des autokratischen Führungsstils, auch wenn wir bei IM die Gruppenarbeit freilich nicht annehmen können. Nichtsdestotrotz treffen die beschriebenen Phänomene auf das Verhältnis zwischen den Protagonisten hier zu. Denn der Unterschied, ob ein IM allein oder mit anderen arbeitet ist nicht der signifikante Unterschied, sondern es geht um die Art und Weise, wie man als ‚Untergebener’ behandelt wird. Das MfS wusste und nutzte das. Und gerade weil der IM-Bestand einen ungemein wichtigen Schwerpunkt für die Arbeit gegen die Opposition darstellte, konnte er in „73 (22,3%) aller aufgefunden Arbeiten der Operativen Psychologie“ 8 von der JHS als Hauptthema festgestellt werden. Man erkennt leicht, warum und inwiefern die Staatssicherheit sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzte und versuchte, keine Fehler zu machen.

Neben einer grundsätzlichen charakterlichen Eignung musste der Kandidat allerdings auch gewisse Fähigkeiten psychologischer Art mitbringen. „Kontaktfreudigkeit und Redegewandtheit“, die Fähigkeit, „‚ständig neue Kommunikationsbeziehungen’ zu entwickeln“ sowie „selbständige analytische Fertigkeiten“ 9 waren gefragt. Sandra Pingel-Schliemann beschreibt in ihrem Buch „Zersetzen. Strategie einer Diktatur“ folgende Fähigkeiten, die vorausgesetzt wurden, genauer:

- Anpassungsfähigkeit
- Bereitschaft zu persönlichen Nachteilen
- Klares Feindbild

Unter Anpassungsfähigkeit verstand man insbesondere das Vermögen, „sich den Lebensweisen und Ansichten der Bespitzelten anzupassen, auch wenn sie diese nicht selbst vertraten.“ 10 Man ersieht aus diesen Fakten die großen Anforderungen an den IM – auch psychisch. Er musste eigene Gewohnheiten und Interessen verleugnen, um sich fremde anzueignen, teilweise seine eigene Familie und enge Freunde täuschen und sich bisweilen auch eine ‚Legende’ zulegen und diese verteidigen. Das heißt, er brauchte je nach Aufgabe eine passende Biographie und musste geschickt genug sein, diese glaubhaft nach außen zu vertreten – wenn es sein musste vierundzwanzig Stunden am Tag.

Solche Legenden, im Übrigen eine Wortschöpfung des MfS, wurden sowohl zur Werbung eines IM eingesetzt als auch von diesem schließlich für die Feindbearbeitung. Sie seien ein

„glaubhafter Vorwand, durch den Personen in der operativen Arbeit über die wahren Ziele und Absichten des MfS getäuscht werden […] Grundlage der L.[egende] sind vorgegebene Motive, Begründungen, Erklärungen und Aussagen, die weitgehend auf realen und möglichst überprüfbaren Gegebenheiten beruhen, die lebensecht sind und glaubhaft erscheinen. Mit L.[egenden] arbeiten vor allem die IM als die Hauptkräfte der politisch-operativen Arbeit.“ 11

Man trifft wohl den Kern der Sache, wenn man eine Legende schlicht und ergreifend als Lüge bezeichnet. Das MfS war sich dessen durchaus bewusst; genauso wie der Gefahr, dass jemand, der permanent lügt auch irgendwann einmal versagt. Da es aber im Prinzip keine psychologische Legitimation des Lügens gibt, suchte man nach einer ideologischen. Klare Anweisung an die hauptamtlichen Mitarbeiter war also:

„Verdeutlichen Sie in diesem Zusammenhang, daß die operative Legende keine Lüge ist, weil ihre Anwendung in der Klassenauseinandersetzung mit dem imperialistischen Feind und zur Lösung anderer sicherheitspolitischer Aufgaben ein objektives gesellschaftliches Erfordernis ist.“ 12

Die moderne Psychologie meint dazu:

„Weltanschauungen sind nicht nur kognitive Instrumente der Lebensbewältigung, sondern oft gefährliche Mittel der Unterdrückung […]. Eine ihrer wichtigsten Funktionen ist die Aufstellung oberer und höchster Werte, z.B. die Wahrheit (überprüfbare, ‚wissenschaftliche’ Wirklichkeit als Beweisgrundlage für alles Vorhandene) […]“ 13

Genau solch eine Wahrheit meinte die Operative Psychologie und erklärte sie zu einer objektiv-allgemeingültigen. Da man sich dennoch keine Illusionen über die Schwierigkeit des Aufrechterhaltens einer Legende machte, versuchte man sie möglichst realistisch zu gestalten.

„Die operative Legende muß ihrem Anwender paßfähig sein. …
Eine neue operative Legende erfordert von ihrem Anwender immer eine gewisse Anpassungsleistung und Fähigkeiten zur Arbeit mit dieser, so z.B. um bestimmte Interessen zu zeigen, die er bisher nicht hatte, eine bestimmte Meinung zu vertreten, obwohl er tatsächlich eine andere Meinung hat, eine bestimmte Verhaltensweise vorzuspielen, die von seinen Verhaltensmustern abweicht usw. In Extremfällen, z.B. wenn ein IM ‚in eine völlig andere Haut schlüpfen’ muß, um in einen feindlich-negativen Personenkreis eingeführt werden zu können, können diese Leistungen beträchtlich sein.“
14

Die letzte große Herausforderung bei der Legendenarbeit mit Inoffiziellen Mitarbeitern war die Verhinderung einer vollständigen Adaption. Da sie sich in eine gänzlich neue Rolle hinein leben mussten und Rollen auch nach den Erkenntnissen der modernen Psychologie wesentlich zur Ausgestaltung des Selbstkonzeptes beitragen, war die Gefahr keine geringe, dass der IM sich im Laufe der Zeit den erworbenen Eigenschaften nicht nur temporär anpasste, sondern sie gänzlich übernahm. In einer entsprechenden Publikation der JHS hieß es dazu:

„… bestimmte vorgetäuschte Einstellungen und Überzeugungen (...) nicht tatsächlich Bestandteil seiner Persönlichkeit werden … Bei politisch und moralisch ungefestigten IM besteht die Gefahr, daß sie den gegnerischen Einflüssen allmählich unterliegen und sich auch innerlich mit Teilen der Legende identifizieren.“ 15

Zum großen Bereich der Legende, für sich genommen schon außerordentlich schwierig für den IM in die Praxis umzusetzen, kamen auch enorme Anforderungen an die Denk- und Kombinationsfähigkeit. Er hatte feindliche Bestrebungen frühzeitig zu erkennen und die Bedeutsamkeit von Handlungen, Plänen oder Zielen einschätzen zu können. Gesellschaftsfeindliche Gruppierungen sowie operativ interessante Personen sollte er sowohl beurteilen als auch bewerten. Man suchte also intelligente, gesellschaftsfähige Menschen.

Zu diesem Komplex hat Holger Richter umfassende Recherchen durchgeführt, die kurz reflektiert werden sollen:

„‚Es ist für die künftige Zusammenarbeit wichtig zu wissen, ob der IM-Kandidat seine Gedanken, Gefühle und Absichten durch unbefangenes Auftreten und Selbstkontrolle verdecken kann, ob er den Menschen glaubhaft etwas ‚vormachen’ kann.’
Gefährlich für den IM seien Verhaltensweisen, die die Konspiration gefährden, wie
‚Schwatzhaftigkeit, Klatscherei und falsche Verbrüderung … Strebertum, Egoismus, Dünkel, Streitsucht, Hinterhältigkeit, Grobheit, Scheu und Ängstlichkeit.’“
16

Auch hier soll ein kurzer stichpunktartiger Abriss einen Überblick verschaffen, 17 diesmal über die vom IM erwarteten Fähigkeiten:

- „Fähigkeit zum Erkennen politisch-operativer Situationen und Aufgaben“
- konspirative Fähigkeiten
- gute Feindarbeit
- insgesamt eine positive Einstellung zur Staatssicherheit
- Einschätzungsvermögen
- Menschenkenntnis
- Kontaktfähigkeit (Umgangsformen, Selbstsicherheit…)
- Fähigkeiten zum Beobachten und Behalten des Beobachteten
- Belastbarkeit
- Verbergen eigener Emotionen oder Ziele
- Zuverlässigkeit

Diese Fähigkeiten, die natürlich in einem gewissen Grade bereits vorhanden sein mussten, wollte das MfS aber auch gezielt noch antrainieren. Zur psychologischen Ausbildung eines IM-führenden Mitarbeiters gehörten also unter anderem Kenntnisse darüber, wie man einen Menschen dahingehend entwickeln kann. Gezielt versuchte man so, perfekte Spitzel zu gewinnen. Dafür kann man hier am besten einen MfS - eigenen Text wiedergeben:

„Auch hier hilft die Psychologie, die Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Personen für die inoffizielle Arbeit zu überwinden, die differenzierten Motive des Handelns zu erkennen und zu beeinflussen, psychisch hemmende Faktoren zu erfassen und zu beseitigen, zu einer richtigen Beurteilung der Persönlichkeit der Inoffiziellen Mitarbeiter zu gelangen und damit den Prozess der Zusammenarbeit mit dem IM, der ja eine spezifische Form der Kooperation und der sozialistischen Menschenführung ist, wissenschaftlich und damit noch besser und erfolgreicher zu organisieren.“ 18

Abschließend soll hier noch einmal ein vitales Beispiel für die gelenkte Gesprächsführung aufgezeigt werden. Daran wird deutlich, über welche durchaus fundierten Kenntnisse die Operative Psychologie verfügte, denn die gegebenen Hinweise lassen sich mühelos mit heutigen Erkenntnissen der Kommunikationspsychologie in Einklang bringen. Nur dass heute den Menschen geholfen werden soll auf dem Weg zu einer störungsfreien Gesprächsführung. Das MfS hingegen nutzte, wie so oft, wie Erkenntnisse für die Arbeit gegen den Menschen. Heute arbeiten einige der damaligen ‚operativen Psychologen’ auch als Lehrer in Workshops der Erwachsenbildung – und das durchaus auch mit Erfolg. Man erkennt leicht, wie einfach es ist die Ergebnisse der Forschung für seine Zwecke zu missbrauchen. Hier zeigt sich außerdem, mit wie weichen Methoden das MfS teilweise versuchte, Geständnisse zu erlangen. Doch mit dieser Gemütlichkeit konnte es ebenso rasch auch wieder vorbei sein.

„Es ist auch ratsamer, das Gespräch in einer großen Sitzecke durchzuführen und sich nicht am Schreibtisch gegenüber zu sitzen. Eine größere räumliche Distanz führt gewöhnlich auch zu einer größeren zwischenmenschlichen Distanz.

Wichtig ist auch der Zeitpunkt der Exploration. Hierbei ist darauf zu achten, daß keine körperliche oder psychische Überbeanspruchung dem Gespräch vorausgegangen ist, der Beurteiler und der zu Beurteilende nicht unter Zeitdruck stehen.

Der Gesprächspartner sollte immer das Empfinden haben, daß der Beurteiler für ihn Zeit hat...
Eine Einstimmung des Gesprächspartners ist ratsam, um eventuelle vorhandene Erregungen, Unsicherheiten und Vorbehalte abzubauen und den Gesprächspartner aufzulockern, ihm eine vertrauensvolle Atmosphäre zu vermitteln.

Der Beurteiler sollte nicht gleich ‚mit der Tür ins Haus fallen’. Welches ‚Starthema’ zu wählen ist, sollte der Gesprächsführende nicht der Situation überlassen, sondern sich auch hierauf vorbereiten, indem er spezielle Interessen des Partners, aktuelle Probleme des Arbeitskollektivs oder der Privatsphäre aufgreift.
Das Gespräch sollte im normalen Umgangston zwischen beiden erfolgen, um eine vertrauliche Atmosphäre von Beginn an zu sichern.

Diese Phase des Gesprächs ist nicht abrupt zu beenden. Das Gespräch ist im Laufe der Einstimmungsphase so zu lenken, daß die Zielstellung der Exploration bereits angesteuert wird und sich dadurch für den Gesprächspartner ein sinnvoller Zusammenhang des gesamten Gesprächs ergibt.

Bei der nun folgenden Explorationsphase ist besonders darauf zu achten, daß der Charakter der persönlichen Unterhaltung gewahrt bleibt. Zu vieles Fragen von Seiten des Gesprächsführenden kann den Gesprächsverlauf hemmen. Aus diesem Grunde ist die Aufgabe des Beurteilers vor allem darin zu sehen, den Partner zur Meinungsäußerung anzuregen. Grundsätzlich sollte er der hörende, der Partner der sprechende Teil sein. ...

Nicht in jedem Fall spricht der Gesprächspartner frei und ungehemmt. Mancher antwortet lieber auf konkrete Fragen. Der Beurteiler muß sich dann selbstverständlich auf derartige individuelle Eigenarten einstellen. Er sollte jedoch vermeiden, das Gespräch in ein Frage-Antwort-Spiel umzuwandeln, da sonst leicht der Eindruck eines Verhörs entsteht und der Partner entweder schweigt oder nicht mehr wahrheitsgetreu antwortet. Bei schüchternen oder gehemmten Gesprächspartnern ist es dann oft zweckmäßiger, indirekte Fragen zu stellen. Diese Menschen berichten über Einzelheiten, über die der Beurteiler Auskunft haben möchte, lieber, wenn an ihre Interessen und Wünsche, an gemeinsame Aufgaben und Erlebnisse, an die Situation in der Familie oder andere dem Beurteiler bekannte Lebensbereiche des Partners angeknüpft wird. ...

Das ist auch dann bedeutsam, wenn ideologische Unklarheiten geäußert und wenn negative Normen und Einstellungen sichtbar werden. Es ist in solchem Falle nicht ratsam, belehrend und mit Vorwürfen zu reagieren, sondern vertrauensvoll und sachlich mit dem Partner zu diskutieren, auch dann, wenn diese Inhalte von den geplanten Inhalten abweichen. Dieser Aspekt ist besonders in derartigen Gesprächen mit operativ interessierenden Personen beachtenswert, ergeben sich doch hier völlig aus der Situation heraus Möglichkeiten der Einflußnahme entsprechend der operativen Zielsetzungen. ...

Hat man alle notwendigen Angaben erhalten, ist das Gespräch nicht plötzlich abzubrechen. Besser ist es, noch ein neutrales Thema, zu dem der Partner Beziehungen hat, an den Abschluß des Gespräches zu setzen.“
19


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