6. Die Arbeit mit den IM

Der IM wurde vom MfS selbst oft als der bedeutendste Teil bei der eigenen Arbeit bezeichnet. Tatsächlich stellte er oftmals die Schnittstelle zwischen Staatssicherheit und den zu bearbeitenden Personen dar. Gleichzeitig waren IM aber auch sehr gefährlich, da eine Dekonspiration beständig drohte, ebenso wie Verrat. Dementsprechend machte sich das MfS auch aus psychologischer Sicht Gedanken über ihre Anwerbung und auch darüber, wie man sie kontrollieren und ‚festhalten’ kann. Andererseits spielten auch für den IM Motive, Einstellungen und persönliche Interessen eine Rolle, wenn es um die Zusammenarbeit mit dem MfS ging. Schließlich war diese Kooperation gesellschaftlich verpönt. Das offenbart folgende Themen zu diesem Schwerpunkt:

Die Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) bildeten die Basis der Tätigkeit des MfS. Sie arbeiteten heimlich und lieferten in Form von Berichten Informationen über verdächtige Personen an die für sie zuständigen „Führungsoffiziere“ der Staatssicherheit. Das permanente Anlügen von Verwandten, Bekannten und Freunden setzte sie einer hohen Belastung aus, die den Schwerpunkt der Operativen Psychologie in diesem Bereich ausmachte. Das MfS nannte diese Lüge „Legende“ und meinte damit unter anderem einen unwahren Lebenslauf. imarbeitsblase Doch bevor man IM wurde, prüfte das Ministerium die Eignung.

Dabei spielten auch Einstellungen, der Charakter, Temperament, soziale Fähigkeiten u.a. eine große Rolle. Man versuchte, psychologisch heranzugehen und den so genannten „Werbungsvorgang“ gut vorzubereiten. Auf der anderen Seite musste der IM auch gewisse Motive für die Zusammenarbeit haben, welche vom MfS geprüft wurden. So war Erpressung, die auch als „Kompromat“ bezeichnet wurde, zwar einfach, hielt aber in ihrer Wirkung nicht lange an.

Die Operative Psychologie beschäftigte sich also mit dem Anwerben, Festhalten und Kontrollieren der IM. Da sie die bei weitem größte Informations-, aber eben auch Gefahrenquelle darstellten, waren Fingerspitzengefühl und die Kenntnis psychologischer Prozesse wichtig und gefragt. Entsprechend wurden Trainings- und Kontrollmethoden diskutiert und dann erörtert, wie ein IM „beschaffen“, sein musste und wie und warum er mit dem MfS zusammenarbeiten sollte.

Detailliertere Informationen:
Die Werbung aus Sicht des MfS
Die Werbung aus Sicht eines IM

6.3 Die wechselseitigen Bindungen zwischen IM, MfS und der zu bearbeitenden Person

Für das Verhältnis zwischen IM und Führungsoffizier spielte das Vertrauen eine große Rolle. Es galt die Regel, dass der hauptamtliche Mitarbeiter kein Vertrauen zum IM und der wiederum nicht zum Verdächtigen aufbauen durfte, dies aber umgedreht immer der Fall sein sollte. Diese Fähigkeit zur Vertrauensbildung beruht ebenfalls auf psychologischen Prozessen und konnte deswegen erklärt werden. Auch versuchte das MfS, seine Leute gezielt darin zu schulen.

Detailliertere Informationen:
Der Januskopf Vertrauen

6.4 Der IM im Einsatzgebiet

Eine der größten Gefahren in der Arbeit am Gegner lag darin, dass sowohl IM als auch die Mitarbeiter sich von den Feinden hätten überzeugen oder überreden lassen können was natürlich keinesfalls passieren durfte. Besonders gefährlich gestaltete sich das, wenn IM im so genannten Operationsgebiet, dem „kapitalistischen Ausland“, eingesetzt wurden, da sie hier von feindlich-negativen Einflüssen umgeben waren. Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und Aufmunterungen sollten gezielt eingesetzt werden; es gibt Schriften, die sich damit beschäftigen und konkrete Handlungsanweisungen geben, wie IM zuvorkommend behandelt werden sollten, um sie bei Laune zu halten.

Detailliertere Informationen:
Der IM im Einsatzgebiet


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