5. Die Ausbildung in Operativer Psychologie

Grundlage für den Einsatz der Operativen Psychologie beim MfS war die Schulung der eigenen Mitarbeiter. Diese wurde vornehmlich an der Juristischen Hochschule Potsdam durchgeführt, wofür ein eigener Lehrstuhl ins Leben gerufen wurde. Die Entwicklung der MfS-Schule tendierte hin zur stetigen Akademisierung und dementsprechend wurden wechselnde Anforderungen an die Mitarbeiter gestellt.

5.1 Der Lehrstuhl II für Operativen Psychologie an der juristischen Hochschule Potsdam

Um fähige Mitarbeiter (einen so genannten Kader) zu erhalten, bildete das MfS diese auch in Operativer Psychologie aus. Dafür gab es in Potsdam eine „Juristische Hochschule“, wobei es sich nur um einen Tarnnamen handelte, der eine andere Ausbildungstätigkeit vorgeben sollte. Diese Juristische Hochschule Potsdam (JHS) war zunächst wirklich nicht mehr als eine Schule, bis man sie nach und nach dem Vorbild von Universitäten anpasste.

Im Anschluss an die Eröffnung 1951 dauerte es beinahe 15 Jahre bis zur Einführung des Faches Operative Psychologie, was auf die bis dahin vorherrschenden brutaleren Methoden bei der „Bekämpfung des Feindes“ hinweist. Von da an lernten Anwärter auf einen Posten im MfS wichtige psychologische Grundlagen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen sollten. Diese reichten von der Einschätzung der Persönlichkeit anderer über eine effektive Gesprächsführung bis hin zu Möglichkeiten der Manipulation und Kontrolle der Verhaltensweisen fremder Menschen.

Detailliertere Informationen:
Der Lehrstuhl II für Operative Psychologie an der Juristischen Hochschule Potsdam

5.2 Die psychologische Ausbildung der hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS

Doch man stellte auch Ansprüche an die Mitarbeiter selbst. So sollten sie beispielsweise eine „tschekistische Persönlichkeit“ sein. Das Wort „Tschekist“ leitete sich vom ehemaligen russischen Geheimdienst „Tscheka“ her, den das MfS sich zum Vorbild genommen hatte. Was eine solche Persönlichkeit ausmachte wurde nur unscharf umrissen; es wurde Wert z.B. auf Disziplin, Treue und bedingungslosen Einsatz, aber auch Hass auf den Feind, Freundlichkeit und Kontaktfreude gelegt. Insgesamt stellte man regelrecht übermenschliche Anforderungen an die Mitarbeiter, die diese niemals hätten erfüllen können. ausbildungszitat

So sollten sie auch über ein extrem gutes Gedächtnis verfügen, das rein biologisch gar nicht möglich ist und Menschen in Sekundenbruchteilen durchschauen. Gleichzeitig mussten sie autoritär wie auch kumpelhaft wirken, stets ihre Rollen der Situation anpassen und die Lage beherrschen können. Bei der Beschreibung solcher Kriterien wurde das MfS unwissenschaftlich, die klaren und deutlich voneinander abgegrenzten Begriffe der Psychologie verschwammen.

Zuletzt ging es bei der Ausbildung auch um eine Erziehung der Mitarbeiter. Sie sollten Treue gegenüber dem MfS entwickeln und dazu war es interessant zu wissen, welche Motive die Mitarbeiter für die Zusammenarbeit hatten. Meist handelte es sich um Vorteile im Leben wie finanzielle Begünstigungen oder bessere Reisemöglichkeiten. Da es sich hierbei um ‚niedere’ Interessen handelte, sollten die höheren Offiziere für die Übernahme einer Vorbildrolle geschult sein – auch das wieder mit psychologischer Fundierung.

Detailliertere Informationen:
Psychologische Ausbildung der hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS


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