4. Grundlagen der Operativen Psychologie

Um verstehen zu können, wie die Operative Psychologie funktionierte und auf welchen Fundamenten sie ruhte, ist eine Beschäftigung mit ihren grundlegenden Theorien unerlässlich. Sie machen deutlich, welche Ansätze hinter konkreten Vorgängen stehen und stellen das Bindeglied zwischen einzelnen Vorgehensweisen dar. Nur mit der Kenntnis dieser Grundlagen ergibt sich ein einheitliches Bild von der Psychologie, die operativ zur Zersetzung von Menschen eingesetzt werden sollte.

4.1 Die marxistisch-leninistische Ausrichtung

Das Ministerium für Staatssicherheit begriff die Operative Psychologie als eine Wissenschaft, was sie zur Unterordnung unter die offiziellewissenschaftliche Weltanschauung der DDR zwang: den Marxismus-Leninismus Dabei handelte es sich hauptsächlich um die Lehren Karl Marx’ und Wladimir I. Lenins, deren politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Standpunkte als grundlegend für den gesamten Staat angesehen wurden.

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Die marxistisch-leninistische Ausrichtung

4.2 Die theoretischen Grundlagen

zwischenunmenschlichVon daher war die „Funktion der Psychologie in der DDR aus den Aufgaben und Bedingungen des sozialistischen Aufbaus abzuleiten“. Der Sozialismus ist dabei eine Phase auf dem Weg zum Daseins-Ideal des Marxismus-Leninismus. Konkret bedeutet das: Die Operative Psychologie musste ihren Beitrag zur Unterstützung der SED bzw. ihrer Politik leisten. Dies sollte sie im Rahmen der Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit tun. Aufgabe des MfS war die Beobachtung, Kontrolle und notfalls Bekämpfung von Bürgern, deren Ansichten den offiziellen Standpunkten der DDR nicht entsprachen.

Die praktische Bedeutung dieser Anschauung lag in den meisten Fällen darin, dass sichtbar ein Bezug zu Marx oder Lenin hergestellt werden musste, so z.B. durch Zitate oder Bezugnahmen auf deren Thesen. Darunter fiel aber auch der Ausgangspunkt aller Überlegungen und dieser hieß: Materialismus. Dabei handelt es sich um ein komplexes philosophisches Konstrukt. Dessen praktische Konsequenz war im Falle des MfS, dass alles, was man nicht mit den Sinnen wahrnehmen konnte, seinen Mitarbeitern suspekt war. Darunter fielen beispielsweise Gefühle, Ideen oder ganz allgemein Gedanken.

Hier setzte die Operative Psychologie an. Man verstand die menschliche Seele als Produkt einer „Widerspiegelung“ dessen, was jemand an Einflüssen seiner Umwelt wahrnimmt. Das machte ihn in den Augen des MfS zum beliebig beeinflussbaren und steuerbaren Wesen. Die Staatssicherheit versuchte, seinen Charakter zu ergründen, um Rückschlüsse auf Gedanken und Handlungen zu ziehen. In einer ähnlichen Weise traf das auch auf Gruppen zu. Die Staatssicherheit bemühte sich zu verstehen, warum Menschen sich zusammentun, was sie zusammenhält und vor allem, wie man sie wieder auseinander bringt. So wollte sie verhindern, dass irgendjemand sich gegen den Staat stellen konnte.

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4.3 Das Menschenbild

Psyche erkennbar und veränderbar Das lässt auch Rückschlüsse darüber zu, was für ein Bild vom Menschen beim MfS vorherrschte. Es schien sich um ein „…wehrloses, …gehorsames …und erpreßbares …Wesen ohne Individualität“ zu handeln, das beliebig nach den Wünschen des Staates zu formen war. Das schloss dann auch wieder den Kreis hin zum Materialismus – man hoffte, die menschliche Seele ‚kneten’ zu können. Und so bildete sich die Operative Psychologie als eine Wissenschaft gegen den Menschen heraus, die von den Grundlagen über die Wege bis hin zum Ziel als geschlossener Kreislauf erschien.

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